Das Altonaer Museum ist im Verbund mit den 3 anderen historischen Hamburger Museen kein Musentempel für die große Geschichte und ihre Gestalter, sondern eine Stätte in der die Entwicklung des heutigen Hamburger Bezirks Altona/Ottensen von den Anfängen als Fischerdorf über die Hoch-Zeit der Industrialisierung in der stolzen und eigenständigen, von der dänischen Herrschaft geprägten Stadt Altona aus der Sicht des einfachen Volkes festgehalten und dokumentiert wird.
Diese Geschichte einer weltoffenen Atmosphäre, die Flüchtlingen und Kulturen aller Herren Länder über Jahrhunderte eine Zufluchtsstätte mit Entwicklungsmöglichkeiten bot, war nach dem 2. Weltkrieg und der Eingemeindung Altonas in Groß-Hamburg fast in Vergessenheit geraten. Durch das Altonaer Museum und das Stadtteilarchiv Ottensen in Verbindung mit den Erinnerungen vieler Altonaer und Ottenser BürgerInnen ist diese geschichtliche Identifikation der heutigen BewohnerInnen mit Altona/Ottensen stürmisch wieder aufgelebt. Die Menschen haben sich auf die Altonaer Traditionen bezogen und wollen sie erhalten und ihren Kindern weitervermitteln.
Wichtigste Identifikationspunkte und Bestandteile eines Bewusstseins, dass die öffentlichen Flächen und Einrichtungen den BürgerInnen gehören, und nicht den Privatisierungs- und Spekulationsinteressen des Hamburger Senats und seiner Hintermänner zum Opfer fallen dürfen, waren und sind der Altonaer Bahnhof, das Bismarckbad, das Krankenhaus, die Kleingärten, der Grünzug, der Volkspark, das Altonaer Museum, die Fabrik.
Worum geht es nun konkret in diesem Fall bei der beschlossenen Schließung des Altonaer Museums zum 31.12.2010? Sparmaßnahmen? Das ist sachlich völliger Unsinn, denn die 3,5 Millionen, die 'eingespart' würden, gibt es nicht. Die 1 Million Euro Miete, die die Kulturbehörde dem Museum zur Verfügung stellt, kassiert sie als Eigentümerin des Gebäudes im gleichen Zuge direkt wieder ein. Das Personal kann nicht gekündigt werden sondern muss anderswo beschäftigt werden. Die Einlagerung der 650.000 Exponate 'irgendwo anders' wird die 'eingesparte' Summe bei weitem übersteigen.
Was also sind Zweck und Hintergrund dieser Maßnahme?
Die Finanzbehörde möchte das Grundstück samt Gebäude für 1,8 Mio. € verkaufen. Das entspricht einem Zehntel (!) des realistischen Grundstückswertes. Welchem Investor also soll dieses Gebäude zugeschustert werden?
Nun muss man das im Kontext der weiteren Entwicklung der Umgebung sehen. Die Gewerbeschule im denkmalgeschützten Gebäude hin zum Rathaus ist als Schule dort nicht mehr existent, sondern nur noch Nutzerin der Räumlichkeiten. Das immer wieder dementierte Gerücht, dass das ganze riesige Gebäude in ein Hotel mit Außengastronomie umgewidmet werden soll, erscheint mit den Verkaufsplänen für das Museum dann noch nicht mehr so abwegig. Die Flaniermeile mit Pariser Flair als Verbindung zwischen Ottensen und der 'Perlenkette' an der Elbe, hin zum Kreuzfahrtterminal für die Reichen, könnte durch den Verkauf der Gewerbeschule und des Museums geschaffen werden. Ob man das Altonaer Theater dann als Event-Stätte integriert oder darauf wartet, dass es pleite geht, um entsprechend 'umgenutzt' zu werden, ist dabei unerheblich.
Altonaerinnen und Altonaer, Ottenserinnen und Ottenser, wehrt Euch gegen diese schamlose Politik der Zerschlagung Eurer Geschichte und der Veräußerung Eures/unseres öffentlichen Eigentums und seiner Einrichtungen!
DIE LINKE, Stadtteilgruppe Ottensen v.i.S.d.P. Beate Reiss, Am Felde 2, 22765 Hamburg/30.9.2010
von Robert Jarowoy
Seit 39 Jahren hat sich die Fabrik unter Leitung ihres Gründers Horst Dietrich zu einem kulturellen Wahrzeichen Altonas und zu einem lebendigen soziokulturellen Zentrum vor allem für eine offene und kostenlose Kinder- und Jugendarbeit in Ottensen ständig weiterentwickelt und ist dafür weit über Altonas Grenzen hinaus bekannt.
Diese Institution ist nun akut in Gefahr geraten, weil ihre Förderung durch die BKSM (Behörde für Kultur, Sport und Medien) in Frage gestellt wird.
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Die BKSM (Behörde für Kultur, Sport und Medien) und der Geschäftsführer der Farbrik, Horst Dietrich haben sich auf eine neue Vereinbarung für die Haushaltsjahre 2011/2012 geeinigt. Damit konnte durch die zahlreichen Proteste aus Politik, Kultur und der Altonaer Bevölkerung die Zukunft der Fabrik vorerst gesichert werden.