China hat von 1990 bis 2020 eine rasante wirtschaftliche Entwicklung vollzogen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg auf das 40-Fache, pro Kopf bei anfangs noch wachsender Bevölkerung auf das 29-Fache (in Deutschland etwa auf das 3-Fache). Es gab nirgends in der Welt eine vergleichbare Dynamik.
Es gelang, 800 Millionen Menschen aus der absoluten Armut zu erlösen, eine hochkomplexe Infrastruktur aufzubauen und die Lebensweise der Bevölkerung erheblich zu verbessern. Dazu gehört das modernste Stromnetz der Welt, ein „smartes“ Netz, das sich schwankenden Einspeisungen durch volatile Windkraft und Fotovoltaik und unterschiedlichen Verbrauchsmengen schnell anpassen kann – durch Batteriespeicher und KI-gesteuerte Elektronik. China ist Weltspitze beim Ausbau der erneuerbaren Energien, was die Menge wie auch die Qualität betrifft. China verwirklicht das größte Aufforstungsprogramm der Weltgeschichte und hat das größte Netz von Hochgeschwindigkeitszügen. Es baut die längsten Brücken und die besten Straßen. Es hat inzwischen die meisten, die besten und die billigsten Elektroautos und baut das G5-Kommunikationsnetz aus. China produziert einen großen Teil der Weltproduktion bei Smartphones, Computern, Telekommunikations- und anderen elektronischen Geräten. Die chinesischen Unternehmen Huawei und ZTE gehören weltweit zu den wichtigsten Netzwerkausrüstern.
In dem Vortrag werden die wichtigsten Etappen und die neu geschaffenen volkswirtschaftlichen Strukturen vorgestellt: Der Übergang von eine zentralen Planwirtschaft zu einer Marktwirtschaft und der damit verbundene Umbau der Unternehmen. Die expansive Phase „Werkstatt der Welt“, in der China durch die Kooperation mit westlichen Unternehmen Anschluss an den Stand der Weltwirtschaft erlangte (bis 2007) und der Übergang in eine innovationsbasierte gelenkte Marktwirtschaft seit etwa 2015. Die derzeit mit dem 15. Fünfjahresprogramm gestartete weitergehende Innovationsinitiative zielt auf einen systemischer Wandel, der verschiedene Innovationsstrategien volkswirtschaftlich integrieren soll. China soll zu einem globalen Innovationszentrum werden.
Zugleich muss man die mit diesem Weg verbundenen Schwierigkeiten erkennen. So gab es 1988/1989 in Folge der schockartigen Einführung von Marktpreisen eine schwere Krise, die zum Studentenaufstand 1989 beitrug. 2020 begann eine Immobilienkrise, die sich mit Überkapazitäten angekündigt hatte. Sie betrifft vor allem die Bauwirtschaft und die Stahlproduktion, hat aber auch gesamtwirtschaftliche Probleme zur Folge, die nun über mehrere Jahre schrittweise überwunden werden müssen. Die Regierung hat Regulierungen beschlossen, die das spekulationsgetriebene Wachstum des Immobilienmarktes beenden sollen.
Der private Verbrauch in China bleibt hinter der Produktionsentwicklung zurück. Die chinesische Regierung ist vorsichtig und erhöht die Renten und Transfereinkommen nicht in dem Maße, wie es für eine Nachfragestabilisierung wünschenswert wäre.
Die wirtschaftliche Entwicklung Chinas hat für die Bevölkerung große Verbesserungen gebracht. Nominal wirken chinesische Einkommen oft noch deutlich niedriger als in Deutschland oder den USA. Aber viele Dienstleistungen, öffentlicher Verkehr, Restaurantbesuche, digitale Dienste und viele Konsumgüter sind in China günstiger. Deshalb ist die reale Kaufkraft deutlich höher als reine Wechselkursvergleiche nahelegen. Allerdings ist die Einkommensungleichheit erheblich. Der Gini-Koeffizient für China beträgt derzeit 36 (2022, Weltbank) und ist nur leicht rückläufig (USA 41,8, Deutschland 32). Ursache dafür sind vor allem die großen Unterschiede zwischen den Städten an der Ostküste und im Süden und den ländlichen Regionen im Westen und Norden. Besonders die Renten im ländlichen Raum sind teilweise sehr gering, während die Realeinkommen in der östlichen Küstenregion und den Metropolen nach Kaufkraft fast schon westlichen Standards entsprechen. Solche wohlhabenden Regionen sind Shanghai, Shenzhen, Beijing, Hangzhou, Suzhou und Küstenprovinzen wie Guangdong, Jiangsu,
