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Robert Jarowoy

Nachruf

Im Alter von 67 Jahren verstarb nach einer längeren, schweren Krankheit am 21. September 2020 unser Genosse Robert Jarowoy.

Robert hatte nicht nur ein großes Herz. Unermüdlich setzte er sich ein für die Menschen, die in unserer Gesellschaft zu leiden haben. Er gab ihnen sein Ohr und konnte mit Leidenschaft, Klugheit und Kraft ihre Interessen darstellen und vertreten. Wir wissen nicht, wie wir ihn ersetzen sollen. Aber er hat uns immer wieder aufgeklärt, dass jeder ersetzt werden kann und muss. Wir werden uns anstrengen.

Maßgeblich hat Robert Jarowoy den Bezirksverband Hamburg-Altona der Partei DIE LINKE aufgebaut und politisch stark geprägt. Als Fraktionsvorsitzender vertrat er DIE LINKE 13 Jahre lang in der Bezirksversammlung. Mit hohem Engagement, hat er die Anliegen der Altonaer Bevölkerung vertreten und die Hintergründe politischer Entscheidungsprozesse transparent gemacht. So gelang es ihm immer wieder, kommunale Anliegen und Probleme mit den großen und theoretischen Gesellschaftsfragen zu verbinden, was sich besonders auch in seinen vielen Krimis widerspiegelt. Schwerpunkte seiner politischen Betätigung waren in den letzten Jahren Kemal-Altun-Platz, Altonaer Bahnhof und das Bahngelände, Bismarckbad, Altonaer Museum, Erhalt der Altonaer Kleingärten, der Protest gegen den G20-Gipfel, Altonaer Manifest und das Bürgerbegehren „Bürgerwillen verbindlich machen!“ mit dem Ziel der Abschaffung der Hamburger Einheitsgemeinde.

„Mein zentrales politisches Anliegen ist der Stopp von Privatisierungen öffentlichen Eigerntums bzw. Rückführung in die kommunale Verfügungsgewalt. Aufgrund meines internationalistischen Engagements mit dem Schwerpunkt Kurdistan ist mir ein weiteres Hauptanliegen die Unterstützung von Menschen, die infolge von Flucht und Migration nach Altona gekommen sind oder kommen wollen, die hier in der weltoffenen Altonaer Tradition eine sichere Zuflucht und Existenzmöglichkeit haben sollen.“

Seit Anfang der 80er Jahre engagierte sich Robert Jarowoy in der Solidaritätsarbeit mit Kurdistan. Hier ging es ihm nicht nur um das Selbstbestimmungsrecht des kurdischen Volkes, sondern auch um das basisdemokratische Gesellschaftskonzept, das die kurdische Bevölkerung und ihre politische Führung überall, wo es möglich ist, umzusetzen versucht.

Die Wohnung von Robert und seiner Frau Ate und dort vor allem die Küche waren ein offener Ort für die Belange von Menschen und ein Platz des politischen Austausches. Jedes Thema und Anliegen fand Gehör, aber vor allem war Robert ein Mensch der Taten. In der Küche wurde nicht nur diskutiert, sondern auch herzlich gelacht. Den Scharfsinn und den Humor von Robert werden wir vermissen.

Nach seinem Studium der Philosophie verstand Robert sich als Teil der Bewegung 2. Juni, die mit exemplarischen Aktionen die Unmenschlichkeit des kapitalistischen Gesellschaftssystems anzuprangern versuchte - ein Weg, der im Gefängnis endete. Auch nach seiner mehr als fünf Jahre andauernden Inhaftierung verband er sein politisches Engagement konsequent mit sehr unterschiedlichen beruflichen Aufgaben: Buch-Verlag, Zweiradwerkstatt, HBV-Betriebsrat, Öko-Genossenschaft, W3-Kneipe, Käsehandel.

Wöchentlich warteten viele seiner Abonnent*innen auf ihre Käsekiste, um amüsiert und gespannt das jeweils beiliegende Käseblättchen zu studieren, das er mit viel Historie, Fachwissen und Augenzwinkern schrieb.

Seine Krimis über Altona waren eine literarische Aufarbeitung des Filzes, der Machenschaften von Politiker*innen , Unternehmer*innen und der Verwaltung. Für die wachsende Schar der Leser*innen war sein unterhaltsamer Schreibstil spannend und aufklärend zugleich.

Wir, DIE LINKE Hamburg-Altona, verlieren einen Antifaschisten, Internationalisten und Revolutionär, einen Kämpfer für eine sozialistische Gesellschaftsordnung. Und wir verlieren einen guten Menschen und Freund.


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